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Manheim Alt - Bericht  
   
 
   
   
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Tourist-Information - Manheim Alt  
   

Kurzbiografie: Manheim-Alt (Kerpen)

Einwohner: ca. 40 Restbewohner (Stand 2021), ehemals rund 1.600 vor Beginn der Umsiedlung; Ortsteil der Stadt Kerpen im Rhein-Erft-Kreis mit rund 68.000 Einwohnern
Lage: Nordrhein-Westfalen, Rhein-Erft-Kreis, Stadt Kerpen; liegt in der Jülich-Zülpicher Börde zwischen Steinheide und Bürgewald auf etwa 90 m ü. NHN, direkt an der südlichen Abbaukante des Tagebaus Hambach
Anreise: Über die B477 (ehemalige Trasse) und die neue A4 mit Anschlussstelle Buir; ÖPNV über RVK-Buslinien mit Anbindung an Kerpen und Düren; nächstgelegene Bahnhöfe in Horrem und Kerpen mit S-Bahn- und Regionalverkehr (S12, S13, RB38); Zufahrt zum Restort derzeit nur über ausgeschilderte Wege möglich
Besonderheiten: Erste urkundliche Erwähnung 898 als "Mannunhem" in einer Schenkungsurkunde König Zwentibolds; seit Ende der 1970er Jahre als Umsiedlungsort für den Tagebau Hambach vorgesehen; Umsiedlung nach Manheim-neu (Kerpen-Dickbusch) begann 2012; Pfarrkirche St. Albanus und Leonhardus (1898–1900) als letztes markantes Gebäude erhalten; Erftlandring (Kartbahn) als überregional bekannte Rennstrecke blieb bestehen; Ort steht im Zusammenhang mit dem Strukturwandel im Rheinischen Braunkohlerevier

Ortsbeschreibung: Manheim-Alt – Zwischen Erinnerung und Wandel am Rand des Hambacher Tagebaus

Manheim-Alt ist kein gewöhnlicher Ort, sondern ein Zeugnis des rheinischen Strukturwandels. Das Dorf, erstmals 898 als "Mannunhem" urkundlich erwähnt, blickt auf über 1.100 Jahre Geschichte zurück – doch seine jüngste Phase ist geprägt von Abschied und Transformation. Seit Ende der 1970er Jahre stand fest, dass Manheim dem Braunkohletagebau Hambach weichen sollte. 2012 begann die gemeinsame Umsiedlung nach Manheim-neu am Standort Kerpen-Dickbusch, rund 70 Prozent der ehemaligen Bewohner fanden dort eine neue Heimat.

Das kulturelle Leben Manheim-Alts war einst untrennbar mit seiner dörflichen Struktur verwoben. Die Pfarrkirche St. Albanus und Leonhardus, zwischen 1898 und 1900 nach Plänen von Franz Statz erbaut, war spiritueller Mittelpunkt und architektonisches Wahrzeichen. Sie wurde 2019 profaniert, bleibt aber als einziges markantes Gebäude am Originalstandort erhalten – ein stiller Zeuge der Ortsgeschichte. Der Erftlandring, eine internationale Kartbahn, prägt bis heute die Identität des Ortes: Hier starteten Michael und Ralf Schumacher ihre Karrieren, hier wurde 1995 auch Michael Schumachers standesamtliche Hochzeit gefeiert.

Ein besonderes Alleinstellungsmerkmal Manheim-Alts ist seine Rolle im gesellschaftlichen Diskurs um Energie, Heimat und Zukunft. Der Ort wurde zum Symbol für die Ambivalenz des Braunkohleabbaus: Einerseits schuf er Arbeitsplätze und Wohlstand, andererseits forderte er den Verlust von Dorfstrukturen und Heimat. Einige Bewohner blieben bis zuletzt, andere kehrten als Besucher zurück, um Erinnerungen zu pflegen. Die Diskussion um den Erhalt der Kirche und die zukünftige Nutzung der Fläche nach dem Kohleausstieg spiegelt die Suche nach neuen Perspektiven wider.

Wirtschaftlich war Manheim-Alt traditionell landwirtschaftlich geprägt, doch mit dem Näherrücken des Tagebaus wandelte sich der Charakter des Ortes. Zwischenzeitlich dienten leerstehende Häuser als Übergangsunterkunft für Geflüchtete. Heute steht der Ort vor einer ungewissen Zukunft: Unter dem Schlagwort NEULAND HAMBACH wird über Nachnutzungen diskutiert, darunter ein geplanter hölzerner Aussichtsturm als weithin sichtbares Zeichen des Wandels.

Die politische Kultur Manheim-Alts ist eingebettet in die Stadt Kerpen und die übergeordnete Braunkohlenplanung des Landes Nordrhein-Westfalen. Als Teil eines der größten europäischen Tagebaugebiete war der Ort Gegenstand intensiver Planungs- und Beteiligungsprozesse. Themen wie Umsiedlungsmodalitäten, Entschädigung, Denkmalschutz und die Zukunft nach dem Kohleausstieg prägten die lokale Debatte.

Gesellschaftlich ist Manheim-Alt ein Ort der Erinnerung und des Zusammenhalts trotz räumlicher Trennung. Die ehemaligen Bewohner pflegen ihre Verbindungen über den neuen Standort Manheim-neu hinaus. Vereinsleben, Nachbarschaft und gemeinsame Geschichte stiften weiterhin Identität – auch wenn der physische Ort sich verändert hat.

Ausflüge in die Umgebung

Ehemalige Pfarrkirche St. Albanus und Leonhardus: Letztes markantes Gebäude des alten Ortes – im Zentrum von Manheim-Alt.
Erftlandring: International bekannte Kartbahn mit Rennstrecke – am Ortsrand erhalten.
Manheim-neu: Neuer Ortsstandort mit moderner Dorfstruktur – ca. 5 km nordwestlich bei Kerpen-Dickbusch.
Tagebau Hambach: Großtagebau mit Informationspunkten und Aussichtsplattformen – direkt angrenzend.
Bürgewald: Historischer Wald mit Wanderwegen und Naturerlebnis – westlich angrenzend.
Kerpen-Zentrum: Stadtmitte mit Einkaufsmöglichkeiten und Kultur – ca. 8 km.
Hambacher Forst: Waldgebiet mit Naturschutz- und Erholungsangebot – ca. 3 km.
Erft-Radweg: Flussbegleitender Radweg von der Eifel bis zum Rhein – in der Nähe.
Zülpicher Börde: Weite Felder, Hofläden und ländliche Idylle – rundum.
Kart- und Motorsportmuseum Kerpen: Ausstellung zur Rennsportgeschichte der Region – in Kerpen.

Manheim-Alt (Kerpen)

Hinweise: Manheim-Alt ist ein Stadtteil von Kerpen im Rhein-Erft-Kreis, Nordrhein-Westfalen, und kein eigenständiger Ort mehr. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 898 als "Mannunhem". Seit 2012 wurde der Ort zugunsten des Tagebaus Hambach umgesiedelt, der neue Standort Manheim-neu liegt bei Kerpen-Dickbusch. Die Pfarrkirche St. Albanus und Leonhardus bleibt als letztes markantes Gebäude am Originalstandort erhalten und kann von außen besichtigt werden. Der Erftlandring, eine internationale Kartbahn, ist weiterhin in Betrieb und kann bei Veranstaltungen besucht werden. Die Zufahrt zum Restort Manheim-Alt erfolgt über ausgeschilderte Wege; eine Durchfahrt ist nicht möglich. Parkmöglichkeiten sind begrenzt vorhanden. Für Interessierte am Thema Strukturwandel und Braunkohle bietet die Region Informationspunkte und geführte Touren an. Ein Besuch lässt sich gut mit einer Erkundung des neuen Manheim, der Stadt Kerpen oder dem nahen Hambacher Forst kombinieren. Die Zukunft des Areals ist im Rahmen des Kohleausstiegs Gegenstand aktueller Planungen – aktuelle Informationen dazu bietet die Stadt Kerpen oder die Projektgesellschaft NEULAND HAMBACH. Manheim-Alt steht sinnbildlich für den Wandel ländlicher Räume im Rheinischen Braunkohlerevier und lohnt sich als Ort der Reflexion über Energie, Heimat und Zukunft.

 

 
   
   
 
   
   

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