Kurzbiografie: Kalscheuren
Einwohner: ca. 1.058 im Ortsteil Kalscheuren, Teil der Gesamtstadt Hürth mit rund 60.000 Einwohnern
Lage: Nordrhein-Westfalen, Rhein-Erft-Kreis, Ortsteil von Hürth in der Kölner Bucht, eingebettet in die flache Landschaft am südöstlichen Rand von Hürth, grenznah zu Köln auf etwa 60 bis 80 Metern Höhe
Anreise: Über die Bonnstraße (ehemaliger Wirtschaftsweg der römischen Eifelwasserleitung) und lokale Kreisstraßen; Bahnhof Hürth-Kalscheuren an der linken Rheinstrecke mit Regionalverkehr Richtung Köln, Bonn und Euskirchen; Buslinien des VRS erschließen den Ortsteil; Autobahnanbindung über A553 und A555 in der Nähe
Besonderheiten: Erste urkundliche Erwähnung 1305, archäologische Funde aus römischer und fränkischer Zeit (u.a. goldene Almandin-Fibel aus dem 6. Jahrhundert), Böhm Chapel (ehemalige Kirche St. Ursula von Gottfried Böhm, heute Ausstellungsraum), bedeutender Medien- und Industriestandort mit Orion Engineered Carbons und Filmstudios, Bahnhof als Verkehrsknotenpunkt
Ortsbeschreibung: Kalscheuren – Historische Wurzeln, moderne Medienkultur und industrielle Tradition am Rand von Köln
Kalscheuren ist ein Ortsteil, der seine historische Tiefe nicht nur bewahrt, sondern als Fundus für moderne Entwicklung nutzt. Gelegen in der Kölner Bucht, eingebettet in die flache, offene Landschaft am südöstlichen Rand von Hürth, verbindet der Ort ländliche Ruhe mit urbaner Anbindung an Köln und die Region. Die erste urkundliche Erwähnung als Kalscheuren stammt aus dem Jahr 1305, als Landbesitz an den Deutschen Orden verkauft wurde. Doch die Geschichte reicht weiter zurück: Siedlungsspuren der späten Eisenzeit, römische Gutshöfe und Gräber sowie fränkische Funde – darunter eine kostbare goldene Fibel aus dem 6. Jahrhundert – zeugen von einer langen Kontinuität menschlicher Präsenz. Diese historische Tiefe prägt das Selbstverständnis bis heute: Kalscheuren versteht sich nicht als reiner Gewerbestandort, sondern als lebendiger Ort, in der Geschichte und Innovation sich sinnvoll verbinden.
Das kulturelle Leben Kalscheurens ist untrennbar mit seiner kirchlichen, industriellen und medialen Tradition verwoben. Die Böhm Chapel, die ehemalige Kirche St. Ursula des Architekten Gottfried Böhm, ist nicht nur architektonisches Kleinod der Nachkriegsmoderne, sondern heute als Ausstellungsraum ein Ort zeitgenössischer Kunst und kultureller Begegnung. Das nahe Kriegerdenkmal aus Flusspfeilerstücken der Kölner Südbrücke dokumentiert die regionale Geschichte des 20. Jahrhunderts. Das kulturelle Angebot wird durch das Vereinsleben der Gesamtstadt Hürth ergänzt: Schützenvereine, Karnevalsclubs, Musikvereine und Freiwillige Feuerwehren organisieren Feste, Umzüge und Begegnungen, die den sozialen Zusammenhalt stärken. Besonders das Stadtfest, Weihnachtsmärkte und Kulturveranstaltungen in den Medienstudios ziehen Besucher aus der ganzen Region an.
Ein besonderes kulturelles Alleinstellungsmerkmal Kalscheurens ist die Transformation vom ländlichen Hof zum modernen Medienstandort. Was einst als landwirtschaftliche Fläche und später als Industriestandort begann, entwickelte sich zu einem Zentrum für Film, Fernsehen und Medienproduktion. Die täglichen Castings, Produktionen und Events in den Studios sind kein bloßes Gewerbe, sondern gelebte Alltagskultur, die Kreativität, Innovation und Gemeinschaft stiftet. Diese Verbindung von Tradition und Moderne wird gepflegt und an Besucher weitergegeben. Der Standort ist dabei mehr als ein Gewerbegebiet: Er ist Symbol für wandelbare Nutzung und ein Wirtschaftsfaktor, der Arbeitsplätze und kulturelle Impulse in die Region bringt.
Die regionale Küche ist ein weiterer kultureller Anker. Typisch rheinische Gerichte wie Himmel un Ääd, Rheinischer Sauerbraten, Reibekuchen mit Apfelmus, Flönz oder Mutzenmann werden in den Gaststätten der Umgebung gepflegt. Zunehmend setzen lokale Wirte und Erzeuger auf regionale Produkte: Gemüse aus der Börde, Fisch vom Rhein, Fleisch von Höfen der Umgebung, Honig und Beeren finden den Weg auf die Teller. Wochenmärkte in Hürth und kulinarische Events bieten Plattformen für Direktvermarktung und Begegnung. Diese kulinarische Identität wird auch bei Stadtfesten und Vereinsveranstaltungen gefeiert und trägt zum Gemeinschaftsgefühl bei.
Wirtschaftlich erfüllt Kalscheuren die Funktion eines bedeutenden Gewerbe- und Medienstandorts im Rhein-Erft-Kreis. Zu den wichtigsten Arbeitgebern zählen Orion Engineered Carbons (ehemals Degussa/Evonik) als traditionsreiches Industriewerk, Medienunternehmen mit Filmstudios und Produktionsflächen, Logistikfirmen und mittelständische Unternehmen aus den Bereichen Handwerk und Dienstleistung. Die traditionelle Prägung durch Industrie und Handwerk hat sich zu modernen Medien- und Technologiebranchen weiterentwickelt. Die verkehrsgünstige Lage am Bahnhof Hürth-Kalscheuren und die Nähe zu Köln, Bonn und den Autobahnen A553/A555 fördern Unternehmensansiedlungen und Pendlerströme: Viele Erwerbstätige arbeiten in Köln, Bonn oder bei Unternehmen der Umgebung. Der Tourismus spielt eine untergeordnete Rolle: Kulturinteressierte, Architektur-Fans der Böhm-Chapel, Medien-Enthusiasten und Geschichtsfreunde schätzen die Authentizität und Vielfalt des Ortes.
Die politische Kultur Kalscheurens ist geprägt von bürgernaher Mitgestaltung im Rahmen der Stadt Hürth. Als Ortsteil wirkt Kalscheuren über Ortsvorsteher und Stadtrat an lokalen Entscheidungen mit. Themen wie Gewerbeentwicklung, Nahmobilität zwischen den Hürther Stadtteilen, Kulturstandort-Förderung und die Stärkung der lokalen Wirtschaft stehen regelmäßig auf der Agenda. Der demografische Wandel wird aktiv gestaltet: Durch attraktiven Wohnraum, gute Anbindung und ein starkes Vereinsnetzwerk gelingt es, Bewohner im Ort zu halten.
Gesellschaftlich ist Kalscheuren ein Ort des Miteinanders. Die rheinische Mentalität – lebensfroh, offen, herzlich, mit einer Prise Bodenständigkeit – prägt das Zusammenleben. Kirchliche Gemeinden, interkulturelle Initiativen, Medien-Communities und Nachbarschaftshilfe gestalten das Miteinander. Die Ruhe der Kölner Bucht, die Energie der Medienproduktion und die Wärme der Dorfgemeinschaft schaffen einen Raum, in dem Menschen zur Besinnung kommen. Für Besucher bietet Kalscheuren einen authentischen Einblick in die Kultur eines modernen Rheinlands-Ortes mit historischen Wurzeln. Es ist ein Ort, an dem man römische Geschichte anfassen, moderne Architektur erleben und mit Einheimischen bei einem Glas Kölsch ins Gespräch kommen kann. Die Kultur ist hier keine Inszenierung, sondern gelebte Praxis. Wer Deutschland jenseits der Großstädte verstehen will, findet in Kalscheuren ein Beispiel dafür, wie historische Substanz, industrielle Tradition und moderne Medienkultur sich verbinden lassen.
Ausflüge in die Umgebung
Böhm Chapel: Ehemalige Kirche St. Ursula von Gottfried Böhm, heute Ausstellungsraum für moderne Kunst – direkt im Ort.
Bahnhof Hürth-Kalscheuren: Historischer Bahnhof mit Regionalverkehr und architektonischem Interesse – direkt im Ort.
Medienstandort Kalscheuren: Filmstudios und Produktionsflächen mit öffentlichen Events – direkt im Ort.
Römische Eifelwasserleitung: Historischer Aquädukt-Verlauf mit Wanderweg – oberhalb des Ortes entlangführend.
Köln: Domstadt mit Kultur, Museen und Rheinpromenade – etwa 15 Minuten mit Bahn oder Auto.
Bonn: Bundesstadt mit Beethoven-Haus, Museumsmeile und Rheinpromenade – etwa 20 Minuten mit Bahn oder Auto.
Hürth-Zentrum: Stadtmitte mit Nahversorgung, Kultur und Grünflächen – etwa 10 Minuten mit dem Auto.
Brühl: Residenzstadt mit Schlössern Augustusburg und Falkenlust, Phantasialand – etwa 15 Minuten mit Bahn oder Auto.
Frechen: Nachbarstadt mit Keramik-Museum und Naherholung – etwa 10 Minuten mit dem Auto.
Ville-Seenplatte: Naherholungsgebiet mit Badeseen und Radwegen – etwa 15 Minuten mit dem Auto.
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