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Berrenrath - Bericht  
   
 
   
   
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Tourist-Information - Berrenrath  
   

Kurzbiografie: Berrenrath

Einwohner: ca. 3.200 (Stand 2026), davon rund 3.098 im Hauptortsteil
Lage: Nordrhein-Westfalen, Rhein-Erft-Kreis, nordwestlicher Stadtteil von Hürth, eingebettet in die Ville-Hügellandschaft im Rheinischen Braunkohlerevier auf etwa 80–120 Metern Höhe
Anreise: Über die A1 und A61 mit kurzer Zufahrt; Bahnanschluss über die Hürther Bahnhöfe Hermülheim oder Gleuel an der Vorgebirgsbahn mit Regionalverkehr Richtung Köln und Bonn; Buslinien der RVK (Linien 711, 717, 978) erschließen Berrenrath direkt mit Hürth-Mitte, Gleuel und Köln
Besonderheiten: Vollständig umgesiedelter Ort (1953–1959) aufgrund des Braunkohleabbaus, erster urkundlicher Erwähnung 922 als Bairincrothe, St. Wendelinus-Kirche von Fritz Schaller (1956/57) mit freistehendem Campanile, Berli-Kino (Berrenrather Lichtspiele) im Stil der 1950er Jahre als einzigartiges Zeitdokument, Burg Schallmauer (barockes Herrenhaus von 1714), Berrenrather Börde als erstes großflächig rekultiviertes Landwirtschaftsgebiet des Rheinischen Braunkohlenreviers, Spitzname der Einwohner als "Schänzjeskriemer" (Reisigbündel-Hausierer), Modellcharakter der Umsiedlungsplanung der 1950er Jahre

Ortsbeschreibung: Berrenrath – Umsiedlung, Braunkohle und Gemeinschaft im Rheinischen Revier

Berrenrath ist ein Ort, der seine außergewöhnliche Geschichte nicht nur bewahrt, sondern im Alltag lebendig werden lässt. Gelegen im Nordwesten von Hürth, eingebettet in die sanfte Hügellandschaft der Ville und geprägt durch die Nähe zum Rheinischen Braunkohlerevier, verbindet der Ort jahrhundertealte Tradition mit einer einzigartigen, durch den Bergbau erzwungenen modernen Ortsgeschichte. Die Wurzeln Berrenraths reichen bis ins frühe Mittelalter zurück: 922 erstmals urkundlich als Bairincrothe erwähnt, entwickelte sich der Ort über Jahrhunderte als kleine landwirtschaftliche Siedlung unter der Grundherrschaft des Klosters Burbach. Im 20. Jahrhundert prägte der Braunkohlebergbau das Ortsbild: Zwischen 1953 und 1959 wurde Berrenrath komplett und nach einheitlichem Plan umgesiedelt, um dem Tagebau Platz zu machen – ein Modellprojekt der Umsiedlungsplanung der 1950er Jahre. Diese historische Kontinuität prägt das Selbstverständnis bis heute: Berrenrath versteht sich nicht als musealer Umsiedlungsort, sondern als lebendiger Teil der Hürther Kulturlandschaft, in der Geschichte, Bergbautradition und Gemeinschaft sich sinnvoll verbinden.

Das kulturelle Leben Berrenraths ist untrennbar mit seiner Umsiedlungs- und Kirchengeschichte verwoben. Die katholische Pfarrkirche St. Wendelinus, 1956/57 vom Kölner Architekten Fritz Schaller mit freistehendem Campanile erbaut, ist nicht nur spiritueller Mittelpunkt, sondern auch architektonisches Wahrzeichen des neuen Ortes. Ihr moderner Innenraum mit Türen, die Mosaiken aus der Geschichte Berrenraths von Jakob Riffeler zeigen, und die Orgel der Firma Gebrüder Stockmann (1968) zeugen von Generationen des Glaubens und der Gemeinschaft. Der Wendelinusplatz mit dem Berli-Kino (Berrenrather Lichtspiele), erbaut 1958 und im Stil der 1950er Jahre erhalten, ist nicht nur kulturelles Zentrum, sondern auch ein einzigartiges Zeitdokument der Nachkriegsmoderne. Das Kino wurde für sein anspruchsvolles Programm mehrfach von der Filmstiftung NRW ausgezeichnet. Die Burg Schallmauer, ein barockes Herrenhaus von 1714 zwischen Berrenrath und Gleuel, ist ein weiteres kulturelles Kleinod. Der Berrenrather Waldfriedhof, von Landschaftsarchitekten geplant und mit einem Sammelgrab der Gebeine aus dem früheren Friedhof, ist ein Ort des Gedenkens. Das kulturelle Angebot wird durch ein lebendiges Vereinsleben ergänzt: FC Berrenrath, TTC Berrenrath, RV Morgenstern, Schachverein und die Dorfgemeinschaft organisieren das Jahr über Feste, Umzüge und Begegnungen, die den sozialen Zusammenhalt stärken. Besonders das traditionelle Schützenfest, Karnevalsveranstaltungen und dörfliche Feste ziehen Besucher aus der ganzen Region an und verbinden Generationen.

Die regionale Küche ist ein weiterer kultureller Anker. Typisch rheinische und Hürther Gerichte wie Himmel un Ääd, Rheinischer Sauerbraten, Reibekuchen mit Rübenkraut oder Berrenrather Spezialitäten werden in den Gaststätten gepflegt. Die ländliche Prägung der Region spiegelt sich in der Küche wider: Frische Milchprodukte, Fleisch von regionalen Höfen, Kartoffeln, Gemüse und Obst aus dem Umland finden den Weg auf die Teller. Zunehmend setzen lokale Wirte und Erzeuger auf regionale Produkte und Direktvermarktung. Diese kulinarische Identität wird auch bei Festen und Vereinsveranstaltungen gefeiert und trägt zum Gemeinschaftsgefühl bei. Die rheinische Kaffeetafel mit hausgemachtem Kuchen und regionalem Gebäck ist dabei ein besonderes kulturelles Ritual, das Geselligkeit und Genuss verbindet.

Wirtschaftlich ist Berrenrath heute durch seine Funktion als Wohnstandort in Hürth geprägt. Zu den wichtigsten Arbeitgebern zählen mittelständische Unternehmen aus den Bereichen Handwerk, Dienstleistung und Einzelhandel in der näheren Umgebung sowie die nahegelegene Industrie (Kohleveredlungsbetrieb Ville/Berrenrath, Kraftwerk Goldenberg, Chemiepark Knapsack). Die industrielle Tradition des Ortes – geprägt durch Braunkohlebergbau und die damit verbundene Umsiedlung – wirkt bis heute nach. Die Nähe zu Hürth, Köln und dem Rhein-Erft-Gewerbepark fördert Pendlerströme: Viele Erwerbstätige arbeiten in den regionalen Zentren oder bei großen Unternehmen der Umgebung. Der Tourismus spielt eine untergeordnete Rolle: Kulturinteressierte, Architekturfreunde (Umsiedlungsplanung der 1950er Jahre) und Geschichtsfreunde schätzen die Authentizität des Ortes. Die Infrastruktur des täglichen Bedarfs ist ausgebaut: Berrenrath verfügt über eine katholische Grundschule, Kindertagesstätten, Einzelhandel und das Berli-Kino. Spezialisierte Angebote finden sich im nahen Hürth, Köln oder Brühl.

Die politische Kultur Berrenraths ist geprägt von bürgernaher Mitgestaltung innerhalb der Stadt Hürth. Als Stadtteil wirkt der Ort über den Ortsvorsteher (derzeit Gerd Fabian, CDU) und lokale Initiativen an kommunalen Entscheidungen mit. Themen wie dörfliche Entwicklung, bezahlbarer Wohnraum, Nahmobilität im ländlichen Raum, der Erhalt der Infrastruktur und die Stärkung des dörflichen Lebens stehen regelmäßig auf der Agenda. Der demografische Wandel wird aktiv gestaltet: Durch attraktiven Wohnraum im Grünen, die Grundschule vor Ort und ein starkes Vereinsnetzwerk gelingt es, Familien im Ortsteil zu halten. Allerdings sind Bevölkerungsverluste und Überalterung der Bevölkerung Problemfelder, mit denen Berrenrath wie viele ländliche Ortsteile kämpft.

Gesellschaftlich ist Berrenrath ein Ort des Miteinanders. Die rheinische Mentalität – lebensfroh, offen, herzlich – prägt das Zusammenleben. Kirchliche Gemeinden, die Dorfgemeinschaft, Vereine und Nachbarschaftshilfe gestalten das Miteinander. Die Ruhe der Ville-Landschaft, die Kraft der Ortsgemeinschaft und die Wärme der Gastfreundschaft schaffen einen Raum, in dem Menschen zur Besinnung kommen. Für Besucher bietet Berrenrath einen authentischen Einblick in die Kultur eines umgesiedelten Ortes im Rheinischen Braunkohlerevier. Es ist ein Ort, an dem man Geschichte anfassen, das Berli-Kino besuchen, die St. Wendelinus-Kirche besichtigen und mit Einheimischen ins Gespräch kommen kann. Die Kultur ist hier keine Inszenierung, sondern gelebte Praxis. Wer Deutschland jenseits der Großstädte verstehen will, findet in Berrenrath ein Beispiel dafür, wie Bergbaugeschichte, Umsiedlungsplanung und regionale Gemeinschaft sich verbinden lassen.

Ausflüge in die Umgebung

Hürth-Mitte: Stadtzentrum mit Historischem Rathaus, Museum und kulturellem Angebot – nur wenige Minuten mit dem Auto entfernt.

Köln: Dom, Museen, Altstadt und Rheinufer – in rund 20–25 Minuten mit Bahn oder Auto erreichbar.

Berrenrather Börde: Erstes großflächig rekultiviertes Landwirtschaftsgebiet des Rheinischen Braunkohlenreviers (ca. 1.100 Hektar) – direkt vor der Haustür.

Otto-Maigler-See: Naherholungssee mit Gedenkstein an Alt-Berrenrath, Strand und Freizeitmöglichkeiten – rund 10 Minuten mit dem Auto.

Knapsack: Nachbarortsteil mit Chemiepark und Industriegeschichte – nur wenige Minuten entfernt.

Gleuel: Nachbarstadtteil mit Historischem Rathaus, Kirche und ländlichem Charme – rund 5 Minuten mit dem Auto.

Ville-Region: Sanfte Hügellandschaft mit Radwegen, Wäldern und Erholung – direkt vor der Haustür.

Brühl: Residenzstadt mit Schloss Augustusburg (UNESCO-Welterbe) und Phantasialand – etwa 15 Minuten mit dem Auto.

Berrenrath

 

 
   
   
 
   
   

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