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Kurzbiografie: Berrendorf-Wüllenrath

Einwohner: ca. 3.475 (Stand 31. März 2021)
Lage: Nordrhein-Westfalen, Rhein-Erft-Kreis, Ortsteil der Stadt Elsdorf, in der fruchtbaren Jülich-Zülpicher Börde eingebettet in die sanfte Hügellandschaft zwischen Köln und Aachen auf etwa 80–120 Metern Höhe
Anreise: Über die Kreisstraßen im Elsdorfer Stadtgebiet; Autobahnanbindung über A61 (Abfahrt Elsdorf) mit kurzer Zufahrt; Bahnanschluss über den Bahnhof Elsdorf oder Horrem an der Strecke Köln–Aachen mit Regionalverkehr; Buslinien der Rhein-Erft-Verkehrsgesellschaft (VRS-Linien 941, 950, 988) erschließen den Ortsteil direkt
Besonderheiten: Historischer Ort mit erster urkundlicher Erwähnung 1108, römische Siedlungsspuren, traditionelle Matthias-Bruderschaft seit 1442 (jährliche Pilgerfahrt nach Trier), Nähe zum Tagebau Hambach und zur Freizeitanlage Terra Nova, ländlich-dörflicher Charakter mit drei Ortsteilen (Berrendorf, Wüllenrath, Giesendorf), Eingemeindung nach Elsdorf 1975, Grundschule Eulenschule und mehrere Kindertagesstätten

Ortsbeschreibung: Berrendorf-Wüllenrath – Bruderschaft, Börde und dörfliche Gemeinschaft bei Elsdorf

Berrendorf-Wüllenrath ist ein Ortsteil, der seine reiche Geschichte nicht nur bewahrt, sondern im Alltag lebendig werden lässt. Gelegen im Herzen der Jülich-Zülpicher Börde, eingebettet in die fruchtbare, von weiten Ackerflächen geprägte Landschaft zwischen Köln und Aachen, verbindet der Ort bäuerliche Tradition mit einer modernen, bürgernahen Ortsteil-Entwicklung. Die Wurzeln Berrendorfs reichen bis ins Hochmittelalter zurück: Erstmals wurde der Ort im Jahr 1108 urkundlich erwähnt, als die Abtei St. Truiden in Belgien als Grundherrin von „Berendorp" genannt wurde [[1]]. Bereits aus der Römerzeit konnten Überreste entdeckt werden. Der Ortsname entstand vermutlich in der Frankenzeit – Namensgeber war wahrscheinlich ein Franke namens Bero. Vom 12. bis zum 14. Jahrhundert wurde der Ort unter verschiedenen Namen wie Beredorf, Berindorp, Berendorpe oder Beyrendorp bezeichnet [[1]]. Diese historische Kontinuität prägt das Selbstverständnis bis heute: Berrendorf-Wüllenrath versteht sich nicht als anonymes Wohngebiet, sondern als lebendiger Teil der rheinischen Kulturlandschaft, in der Dorfgeschichte, Gemeinschaft und Natur sich sinnvoll verbinden.

Das kulturelle Leben Berrendorf-Wüllenraths ist eng mit seiner Bruderschafts- und Kirchentradition verwoben. Seit Jahrhunderten wird in Berrendorf der Apostel Matthias verehrt: Der Überlieferung nach wütete im Jahr 1442 die Pest im Ort. Drei Berrendorfer sollen sich Pilgern angeschlossen haben, die auf dem Weg zum Grab des Apostels in Trier waren. Mit der Pilgerfahrt endete die Seuche, und von diesem Zeitpunkt an machen sich bis heute alljährlich Berrendorfer zu Fuß nach Trier auf – die Matthias-Bruderschaft war geboren [[1]]. Nur wenige Jahre später, im Jahr 1464, wurde die Sebastianus-Bruderschaft gegründet. Seit 1836 gibt es auch eine Kevelaerbruderschaft im Dorf [[1]]. Die Kirche St. Matthias ist spiritueller Mittelpunkt der Gemeinde. Bereits im „liber valoris" von 1378 wurde eine Kapelle in Berrendorf erwähnt, die als Filialkirche dem Pfarrer von Paffendorf unterstand [[1]]. Im Jahr 1570 wurde Berrendorf zur selbstständigen Pfarrei erhoben [[1]]. Der historische Ortskern mit seinen traditionellen Hofanlagen und den typischen rheinischen Gehöften bewahrt den ländlichen Charakter. Das kulturelle Angebot wird durch ein lebendiges Vereinsleben ergänzt: Freiwillige Feuerwehr, Schützenverein, Sportclubs und die verschiedenen Bruderschaften organisieren das Jahr über Feste, Umzüge und Begegnungen, die den sozialen Zusammenhalt stärken. Besonders die jährliche Matthias-Pilgerfahrt nach Trier, das traditionelle Schützenfest im Sommer und dörfliche Feste ziehen Besucher aus der ganzen Region an und verbinden Generationen.

Die regionale Küche ist ein weiterer kultureller Anker. Typisch rheinische und Jülicher Gerichte wie Rheinischer Sauerbraten, Himmel un Ääd, Reibekuchen mit Rübenkraut, Börde-Spezialitäten oder regionale Fischgerichte werden in den Gaststätten der Umgebung gepflegt. Die fruchtbare Lösslandschaft der Jülich-Zülpicher Börde war historisch für ihre ertragreiche Landwirtschaft bekannt. Zunehmend setzen lokale Wirte und Erzeuger auf regionale Produkte: Gemüse aus dem Umland, Obst aus den Streuobstwiesen, Honig, Beeren und Kartoffeln aus der Region finden den Weg auf die Teller. Diese kulinarische Identität wird auch bei Festen und Vereinsveranstaltungen gefeiert und trägt zum Gemeinschaftsgefühl bei. Die rheinische Kaffeetafel mit hausgemachtem Kuchen und regionalem Gebäck ist dabei ein besonderes kulturelles Ritual, das Geselligkeit und Genuss verbindet.

Wirtschaftlich ist Berrendorf-Wüllenrath heute durch seine Funktion als Wohnstandort im Rhein-Erft-Kreis geprägt. Zu den wichtigsten Arbeitgebern zählen mittelständische Unternehmen aus den Bereichen Handwerk, Dienstleistung und Einzelhandel in der näheren Umgebung. Die landwirtschaftliche Tradition des Ortes – geprägt durch Ackerbau und Kleingewerbe – wirkt bis heute nach. Die Nähe zu Elsdorf, Bergheim, Köln und dem Rhein-Erft-Gewerbepark fördert Pendlerströme: Viele Erwerbstätige arbeiten in den regionalen Zentren oder bei großen Unternehmen der Umgebung. Der Tourismus spielt eine untergeordnete, aber wachsende Rolle: Die Freizeitanlage Terra Nova am Rande des Tagebaus Hambach mit Gastronomie, Kinderspielplatz, Fußballgolf, Minigolf und Aussichtspunkten auf den Tagebau zieht Naherholungssuchende an [[1]]. Die Infrastruktur des täglichen Bedarfs ist gut ausgebaut: Berrendorf-Wüllenrath verfügt über eine Grundschule (Eulenschule), eine Sonderschule für Sprachförderung, drei Kindertagesstätten und eine Freiwillige Feuerwehr (Löschgruppe) [[1]]. Spezialisierte Angebote finden sich im nahen Elsdorf, Bergheim oder Köln.

Die politische Kultur Berrendorf-Wüllenraths ist geprägt von bürgernaher Mitgestaltung innerhalb der Stadt Elsdorf. Als Ortsteil wirkt der Ort über den Ortsvorsteher und lokale Initiativen an kommunalen Entscheidungen mit. Themen wie dörfliche Entwicklung, bezahlbarer Wohnraum, Nahmobilität im ländlichen Raum und die Stärkung des dörflichen Lebens stehen regelmäßig auf der Agenda. Der demografische Wandel wird aktiv gestaltet: Durch attraktiven Wohnraum im Grünen, die Grundschule und Kindertagesstätten vor Ort sowie ein starkes Vereinsnetzwerk gelingt es, Familien im Ortsteil zu halten.

Gesellschaftlich ist Berrendorf-Wüllenrath ein Ort des Miteinanders. Die rheinische Mentalität – lebensfroh, offen, herzlich – prägt das Zusammenleben. Kirchliche Gemeinden, Bruderschaften, Vereine und Nachbarschaftshilfe gestalten das Miteinander. Die Ruhe der Börde-Landschaft, die Kraft der ländlichen Gemeinschaft und die Wärme der Gastfreundschaft schaffen einen Raum, in dem Menschen zur Besinnung kommen. Für Besucher bietet Berrendorf-Wüllenrath einen authentischen Einblick in die Kultur eines historischen Dorf-Stadtteils in Nordrhein-Westfalen. Es ist ein Ort, an dem man Geschichte anfassen, an der jährlichen Matthias-Pilgerfahrt teilnehmen und mit Einheimischen ins Gespräch kommen kann. Die Kultur ist hier keine Inszenierung, sondern gelebte Praxis. Wer Deutschland jenseits der Großstädte verstehen will, findet in Berrendorf-Wüllenrath ein Beispiel dafür, wie dörfliche Tradition, Bruderschaftswesen und regionale Gemeinschaft sich verbinden lassen.

Ausflüge in die Umgebung

Elsdorf: Stadtzentrum mit Historischem Rathaus, Museum und kulturellem Angebot – nur wenige Minuten mit dem Auto entfernt.

Terra Nova: Freizeitanlage am Tagebau Hambach mit Aussichtspunkten, Gastronomie und verschiedenen Aktivitäten – direkt am Ortsrand [[1]].

Tagebau Hambach: Einer der größten Braunkohletagebaue Europas mit spektakulären Einblicken – direkt angrenzend.

Bergheim: Kreisstadt mit Burg Paffendorf, Museum und kulturellem Angebot – rund 15 Minuten mit dem Auto.

Köln: Dom, Museen, Altstadt und Rheinufer – in rund 30 Minuten mit Bahn oder Auto erreichbar.

Jülich: Historische Festungsstadt mit Zitadelle, Forschungszentrum und kulturellem Angebot – etwa 20 Minuten mit dem Auto.

Jülich-Zülpicher Börde: Fruchtbare Ackerlandschaft mit Radwegen, Kultur und Erholung – direkt vor der Haustür.

Trier: Älteste Stadt Deutschlands mit Porta Nigra, Dom und kulturellem Angebot – Ziel der jährlichen Matthias-Pilgerfahrt (etwa 90 Minuten mit dem Auto).

Berrendorf-Wüllenrath

 

 
   
   
 
   
   

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